Sie befinden sich hier:


Sprungmarken:


Dienstag, 09.02.2010

Suche im gesamten WDR Web

  • Kontakt zu WDR 2
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • WDR 2 Livestream anhören

Rubriken

Inhalt


Seiteninhalt:

 

FINGERABDRÜCKE IN ELEKTRONISCHEN REISEPÄSSEN

Sicherheit mit Lücken

Informationen aus einem Beitrag von Denise Friese

Seit dem 1. November 2007 gilt: Wer einen Reisepass beantragt, muss seinen Fingerabdruck speichern lassen. Die Daten werden auf einem Chip im Pass hinterlegt. Laut Bundesinnenministerium gilt der Chip im elektronischen Reisepass (ePass) "als zusätzliche Hürde für Fälscher". Doch obwohl es seit November Gesetz ist, gibt es auch weiterhin Pässe, die keinen Fingerabdruck enthalten.

 
Ein Finger wird über einen Scanner für Fingerabdrücke gehalten; Rechte: pa/dpa
 

Bürger ohne Fingerabdrücke erhalten Pass trotzdem
Es gibt nämlich Menschen bei denen es problematisch ist, einen Fingerabdruck zu nehmen. Und das ist offenbar auch keine Überraschung. Mario Reuther ist im Bochumer Einwohner- Meldeamt der Experte für ePässe und entsprechend vom Bundesinnenministerium geschult: "Man hat uns zum Beispiel gesagt, dass es Probleme bei älteren Menschen geben könnte und bei entsprechenden Berufsgruppen, wo dann die Fingerabdrücke nicht vorhanden wären. Wir sollen dann sämtliche Fingerabdrücke durchprüfen und - hier wäre der Fall -, wenn dann keine Fingerabdrücke da wären, den Pass bestellen."

Entscheidung liegt bei den Mitarbeitern in den Bürgerämtern
Verständlich, denn jeder hat ein Recht auf dieses Dokument und wenn schlichtweg das Altern oder die Jahrzehnte lange Arbeit den Fingerabdruck unmöglich machen, kann niemand bestraft werden. Aber das heißt auch: Gelegenheit für Kriminelle und Terroristen, denen das Fälschen ja unmöglich gemacht werden soll. Die Mitarbeiter in den Bürgerämtern haben zwar Anweisungen, wie sie in solchen Fällen vorgehen müssen, damit niemand betrügen kann. Sie treffen aber letztendlich die Entscheidung, wer einen Reisepass bekommt oder nicht.

Der Leiter des Bochumer Einwohnermeldeamtes, Peter Braun, über einen bedenklichen Aspekt: "Generell sind Mitarbeiter in Passbehörden hoch korruptionsgefährdet eingestuft. Und wir erhoffen und erwarten natürlich von unseren Mitarbeitern, dass diese Arbeitsanweisungen eingehalten werden."

Computerexperten: Systeme sind leicht zu umgehen
Kontrollieren läst sich das aber nicht! Eine gravierende Lücke im Sicherheitsystem. Der Chaos Computer Club, bestehend aus Experten, die sich unter anderem mit den Gefahren von Datenspeicherung befassen, hat das Bundesinnenministerium zur Einführung des elektronischen Reisepasses beraten und deutliche Bedenken geäußert. Denn die Computerexperten wissen, wie leicht solche Systeme zu umgehen sind.

Jan Crissler vom Chaos Computer Club: "Es gibt jemand, der seine Fingerabdrücke mit Sekundenkleber eingeschmiert hat, zum Einwohnermeldeamt gegangen ist, und dann halt - obwohl er theoretisch ausreichend Fingerabdrücke hätte - einen Pass gekriegt hat, der sagt, er hätte keine Fingerabdrücke." Es gebe sogar Techniken, den bereits installierten Fingerabdruck verschwinden lassen. "Das ist eine umgebaute Einwegkamera, mit der man den Chip auch zerstören kann, so dass er keine Daten mehr aussenden kann."

Reisepass bleibt auf mit defektem Chip gültig
Wenn der Chip defekt ist, bleibt der Reisepass laut Broschüre des Bundesinnenministeriums gültig. Die Kontrollmaßnahmen hängen dann von den Einreisebestimmungen des Ziellandes ab. Genauso wie auch vor dem 1. November 2007 und dem neuen Passgesetz.

Mehr zum Thema:

Ein Beitrag in WDR 2 Zwischen Rhein und Weser - Stand: 31.03.08
 

Seitenfuss:
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.
URL: http://www.wdr.de/radio/wdr2/rhein_und_weser/466909.phtml

Schnellnavigation:

Auf einen Click